Bockreiter

Die Legende der Bockreiter

Die  Bockreiter sind eine Legende des 18. Jahrhunderts, die im Herzogenerather Land bis weit nach Limburg hinein Angst und  Schrecken unter der Bevölkerung verbreitete. Der Name Bockreiter ergibt sich aus dem geschichtlichem Zusammenhang... In der Mitte des 18. Jahrhunderts war die Gegend um Herzogenerath sehr verarmt. Der  Dreißigjährige Krieg und damit verbundene Armut ließen weite Teile der Bevölkerung hungern, während es einige wenige gab, die sich ein wundervolles Leben leisten konnten. Angeblich kamen in dieser Zeit einige Vagabunden und heimkehrende Söldner auf die Idee im Style von Robin Hood die Reichen zu überfallen und mit den Armen zu teilen.  Der Legende nach gab es eine Räuberbande, die aber an mehreren Orten  gleichzeitig Überfälle vornahm. Weil man sich das in der damaligen  Zeit jedoch nicht erklären konnte, schuf man die Legende von den  Bockreitern, die angeblich mit dem Teufel im Bunde auf Böcken sitzend durch die Lüfte ritten und die Reichen überfielen. Die Beziehung zum Bock ist dabei biblischen Ursprungs “... sie luden dem Bock die Sünden auf und jagten ihn in die Wüste”. Redewendungen wie Sündenbock oder die symbolische Darstellung des Teufels mit Gehörn knüpfen daran an. Deswegen war es im damaligen Weltverständnis nahe liegend auch die Räuber mit dem Bock in Verbindung zu bringen.

Erste und Zweite Periode

Die  Bockreiterzeit in Herzogenrath gliedert sich in zwei Perioden... Die  erste Bockreiterperiode lag zwischen 1735-1745 und war eigentlich  noch recht human. Sowohl die Methoden der überlieferten Überfälle, als auch seitens der Justiz übte man sich zunächst in Rückhaltung.  In der Bevölkerung nannte man sie nur die “schwarzen Gesellen” und die Legende von den mit schwarzen Tüchern maskierten Räubern, die  rücklings auf Böcken sitzend durch die Lüften jagten vertiefte sich immer mehr.

Die zweite Bockreiterperiode von 1762 bis 1776 war hingegen bestimmt von  brutalen Übergriffen auf beiden Seiten. Es galt die painliche  Gerichtsbarkeit, wonach ein Angeklagter nur dann zum Tode verurteilt  werden durfte, wenn er ein Geständnis abgelegt hatte. Dieses  Geständnis wiederum wurde durch Folter erzwungen. Auf diesem Weg und  in Anbetracht einer wirklichen Hysterie in Gesellschaft und Regierung reichte ein einfacher Verdachtsmoment, um als Bockreiter ein Verfahren zu bekommen. Zahllose Bürger des Herzogenrather Landes gerieten so in Gefangenschaft und sagten und grausamen Folterqualen  aus, sie seien mit dem Teufel im Bunde. Zentrum dieser brutalen  Inquisition war die Burg Rode in Herzogenrath. Hier wurden auch die  Gefangenen zum Tode verurteilt. Einer der drei Galgen befand sich  unter anderem im Beckenberg in Herzogenrath, wo die Gehängten oft Tage hängen blieben als Abschreckung für andere. In dunklen Nächten schlichen die Angehörigen dann oft zum Galgen und schnitten ihre Verurteilten ab um sie heimlich zu begraben und vor den Krähen zu  schützen, die in großen Schwärmen über die Kadaver herfielen.

Erst mit dem Ende der Folter und durch eine gerechtere Justiz verschwanden die  Bockreiter ebenso schnell, wie sie gekommen waren aus der Welt.  Nicht jedoch aus den Köpfen der Menschen, denn auch heute noch redet  kaum einer gerne darüber, der weiß, dass einer seiner Anverwandten “zu Unrecht” zum Tode verurteilt worden war.