Kloster Rolduc

Die Klostergeschichte von Rolduc

Namensgebung:

Zu Beginn wurde Rolduc noch Klosterrade oder Klosterrath genannt. Die Namensgebung leitet sich genau wie bei Kerkrade oder Herzogenrath von Rodung ab. Also bedeutete der Name zunächst nichts anderes als die Rodung für ein Kloster. Erst im 18. Jhdt wurde aus der mittelalterlichen Bezeichnung Klosterrade Rolduc. Diese geht ursprünglich auf die französische Bezeichnung für Herzogenrath (des Herzogs Rode) Rode le duc zurück.

Gründungszeit:

1104 verließ der junge Priester Ailbertus von Antoing seinen Stift in Doornik, weil ihm die Klosterzucht dort nicht streng genug war und kam auf der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Bau eines neuen Klosters an Herzogenrath vorbei. Auf Burg Rode erhielt er von Adalbert Graf von Saffenberg an der Ahr (Stammsitz war Mayschoss), dem damaligen Herrscher über Herzogenrath und den damit verbundenen Ländereien ein Stück Land zur Errichtung eines Klosters.

             

Zunächst entstanden an dieser Stelle eine einfache Unterkunft und eine kleine Holzkapelle. Es fehlte jedoch an Geldern für weitere Bauten. Dies änderte sich 1106, als sich der kleinen Gemeinde Embrico aus Mayschoss an der Ahr mit seiner Familie der Klostergemeinde anschloss. Dieser Embrico war Gefolgsmann des Grafen von Saffenberg und brachte das dringend benötigte Geld zum Bau eines Klosters mit, da er sehr wohlhabend war.

 

Sein gesamter Besitz floss in die Klostergemeinschaft und so konnte man mit dem Bau einer Krypta und der Klosterkirche beginnen. Nach zweijähriger Bauzeit war die Krypta 1108 fertig gestellt.

Die Harmonie zwischen Embrico und Ailbertus hielt jedoch nicht lange an. Sie gerieten in heftigen Streit über die Zielsetzung der klösterlichen Gemeinschaft. Daraufhin verließ Ailbertus von Antoing 1111 seine eigene Gründung und machte sich erneut auf die Suche nach einer geeigneten Klostergemeinschaft, die seinen Vorstellungen entsprach. Kurz vor seinem Tod zog es ihn jedoch zurück nach Rolduc. Auf seinem Weg dorthin verstarb er allerdings 1122 in Sechtem bei Bonn. Während sein Grab lange Zeit lang verschollen blieb, gelang es erst 1895 seine sterblichen Überreste zurück nach Rolduc zu bringen, wo er heute noch in der von ihm und Embrico gebauten Kryta beigesetzt ist in einem Sarkophag aus Stein, der auf 8 Säulen steht.

Die Augustiner Chorherren

Nach Verlassen des Klosters durch Ailbertus von Antoing suchte man eine neue Klosterleitung. Erster Abt des Klosters wurde Richter aus Rottenburch in Bayern. Seine Klosterregeln waren sehr streng und fanden Anklang in einer Reihe von Folgeklöstern. Man nannte sie Regulärkanoniker oder Sankt Augustinus oder Augustiner Chorherren. Im Mittelpunkt der Ordensregeln standen das Leben in der Ordensgemeinschaft, das gemeinschaftliche Chorgebet, der Verzicht auf Privateigentum, strenges Fasten und harte körperliche Arbeit. Ein Beispiel für die Regeln der Augustiner Chorherren finden Sie hier in einem übersetzten Regelwerk.

 

Das Stammkloster der Herzöge von Limburg

Im Jahre 1136 wurde der lang anhaltende Streit der Herzöge von Limburg mit den Grafen von Saffenberg durch Heirat beendet. Mathilde von Saffenberg heiratete in diesem Jahr Heinrich II von Limburg. Mitgift des Hauses Saffenberg war die Burg Rode mit den dazugehörigen Ländereien. So fielt die Vogtei über das Kloster ebenfalls an die Herzöge von Limburg. Sie übernahmen die weltliche Schirmherrschaft über die Ordensgemeinde. Es wurde zum Familienkloster der Limburger Herzöge. Unter anderem ist Walram III von Limburg hier beigesetzt. Sein grab befindet sich im Mittelgang der Kirche und befindet sich dort unter der großen Kupferplatte. Das zur männlichen Ordensgemeinschaft gehörende Frauenkloster nahm viele Witwen und andere Familienangehörige der Herzöge von Limburg auf.

Aufstieg und Fall des Klosters Rolduc

Das Kloster Rolduc befand sich über die Jahrhunderte hinweg in einem permanenten Wechsel zwischen Aufstieg und Fall.

Die erste Blütezeit des Klosterkomplexes beginnt ab der ersten Hälfte des 12. Jhdt. Sie dauerte fast ein Jahrhundert an. Viele Schenkungen, sowie das Protektorat der Herzöge von Limburg verliehen der Abtei einen so guten Ruf, dass die Klostergemeinschaft um 1250 etwa 3000 ha Grundbesitz hatte. Viele der Flächen lagen in Mayschoss an der Ahr, wo die Saffenberger ihren Stammsitz hatten, aber auch im heutigen Belgien. Immer mehr junge Klosterinsassen vertieften ihren Glauben in der Gemeinschaft. Es folgten weitere Klostergründungen:

Marienthal im Ahrtal (wird vermutet!)

Sinnich bei Aubel

Hooidonk bei Eindhoven.

Hinzu folgte die Unterordnung von fünf weiteren friesländischen Köstern, die unter die Autorität des Abtes von Klosterrade gestellt wurden. Gleichzeitig entwickelte sich die Klosterbibliotheek zu einer der bedeutendsten ihrer Zeit. Von Rolduc profitiere das gesamte Umland, nicht nur durch die entsandten Priester, sondern auch durch das enorme Bildungspotential und den Lebensstandart, welche durch die Mönche auf das Umland weitergegeben wurde. Es kam wie es kommen musste. In den kommenden Jahren wurden zunächst die strengen Klosterregeln gelockert und mit und mit wurde das Kloster dem geistigen und materiellen Verfall ausgesetzt.

Der 80 Jährige Krieg

Im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) litten die Gebäude sehr unter den Kriegseinflüssen.

Hintergrund für den Achtzigjährigen Krieg war die Thronfolge der Habsburger. Karl V (Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) übergab seinem Sohn König Philipp II von Spanien die Herrschaft über 17 Provinzen. (darunter auch die Niederlande). Dadurch wurde das Land nicht nur spanisch (woher die Stadt Herzogenrath noch heute ihre Stadtfarben hat), sondern die Bevölkerung der Niederlande sollte auch katholisch werden. 1559 ernannte Philipp II 9 Bischöfe, die auch in den Generalstände der Provinzen vertreten sein sollten. Hierdurch versuchte er die Gegenreformation zu verschärfen und die ständischen Freiheiten einzuschränken, die den Provinzen zugestanden worden waren. Der Calvinismus hatte jedoch rasch zahlreiche Anhänger in den Niederlanden gefunden, die eine gut organisierte Kirche gegründet hatte und bereit waren, es mit der römisch katholischen Kirche aufzunehmen. Die spanische Inquisition schürte den Hass gegen die Spanier noch weiter und so kam es 1566 zum Bildersturm, wobei bildliche Darstellungen von Gott, Christus und Heiligen zerstört wurden. Der Auftakt zum Niederländischen Freihheitskampf war gelegt.

Um 1680 nach dem Ende der Kriegsunruhen gelang es schließlich den Äbten van der Steghe und Bock auch gegen den Widerstand der meisten Kanoniker die Klosterregeln zu reformieren. Man besann sich fortan wieder auf die strengen Regeln und deren strikten Einhaltung.  Hinzu kamen die grossen Einnahmen aus dem Steinkohleabbau in der Region im 18 Jahrhundert. Das Kloster Rolduc beschäftigte um 1775 350 Kumpel und stand damit auch in finanzieller Hinsicht auf der absoluten Höhe.

Rolduc im Wandel der Zeit: 19. - 20. Jhdt.

Erst die französische Revolution, die bald auch Aachen und somit auch Rolduc erreichte, machte dem absoluten Aufwind des Klosters ein jähes Ende. Die wichtigsten Bücher, der Kirchenschatz, sowie alle Kostbarkeiten waren vor den Franzosen in Sicherheit gebracht worden. Teilweise nach Roermond ins dortige Bistum, wozu Rolduc im 18. Jhdt. Zähle, aber auch in die umliegenden Pfarrgemeinden, wie Sankt Marien in Herzogenrath, oder Sankt Gertrud. Dennoch wurde die Abtei 1796 von den Franzosen aufgelöst. Noch vorhandene Besitztümer wurden beschlagnahmt und die Chorherren zerstreuten sich in alle Herren Länder. Erst 1831 wurde die christliche Arbeit im Kloster Rolduc wieder aufgenommen, als das Bistum Lüttich die Gebäude für ein Priesterseminar nutze. Die belgische Trennung von den Niederlanden ließen jedoch auch Rolduc als christliche Basis zunächst wieder in Vergessenheit geraten. Aus dem Kloster wurde ein anerkanntes Internatsgymnasium und eine angegliederte Realschule. Nach dem Schrecken des 2. Weltkrieges wurde hier erneut ein Priesterseminar eingegliedert, diesmal jedoch unter dem Bistum Roermond, welches bis heute noch betrieben wird. Das Kloster selbst ist das größte in den gesamten Niederlanden. Hier findet sich inzwischen ein Kongreßzentrum in wundervollem Ambiente, mit ausgezeichneten räumlichen Möglichkeiten. Zahlreiche Veranstaltungen, Konzerte und Tagungen, sowie der Schulbetrieb im noch dazugehörigen Wirtschaftsgymnasium führen eine über 875 jährige Unterrichtstradition auch heute noch fort. Daneben besinnt man sich hierzulande endlich einer grossen Tradition. Neben selbstgebrautem Bier, hat auch der historische Weinberg neben dem Kloster wieder seinen festen Platz bekommen. Die Weinernte und die Qualität sind sehr vielversprechend.